Der Countdown läuft

Nur noch wenige Tage muß ich in die Firma. Dann habe ich noch ein paar Tage Resturlaub und anschließend ist sie da, die von mir seit Jahren so sehnsüchtig erwartete Freiheit.

Obwohl mir meine Kollegen mittlerweile ein bisschen ans Herz gewachsen sind und die Arbeit im Moment eher entspannt ist, bereue ich meinen Entschluss nicht. Ich weiß genau, es kommen wieder andere Zeiten. Und: der nächste Winter kommt bestimmt.. Das Arbeiten in der kalten und dunklen Jahreszeit hat mich im Lauf der Jahre seelisch zunehmend belastet.

Es ist ein herrlich leichtes Gefühl. Zu wissen, ungeliebte Projekte nicht weiterführen bzw. anfangen zu müssen. Eintönige Arbeiten, deren Sinn sich mir nicht erschließen will habe ich nur noch einige Tage zu erledigen. Und nicht zuletzt auch das Ausschlafen morgens, kein Wecker mehr, der die Nachtruhe unsanft abbricht.

16.5.07 10:37, kommentieren

Die Geschichte von Frau M.

Frau M. war eine frühere Kollegin von mir und als ich seinerzeit mit ihr zusammenarbeitete, 56 Jahre alt. Frau M. war frischgebackene Omi, wohnte mit ihrem Mann in einem hübschen kleinen Eigenheim in einer idyllischen Gegend. Frau M. hatte außerberuflich vielerlei Interessen und auch ansonsten ein erfülltes Privatleben. Sie verdiente in der Firma wenig Geld und ihr Job war von Eintönigkeit geprägt. Irgendwann zu dieser Zeit ging ihr Mann in Rente und ich fragte Frau M, warum sie denn noch weiter arbeiten gehe, das bräuchte sie doch gar nicht. . (Ich wusste, dass das Ehepar M. neben Einkünften aus Rente und Arbeit auch noch welche aus Vermietungen und Verpachtungen hatte). Frau M. antwortete „Wegen der Rente“ Genau genommen wegen der Abschläge, die sie in Kauf nehmen muß bei früherem Renteneintritt, ihre Anwartschaft hatte sie nach fast 40 Berufsjahren ja mehr als erfüllt. Für mich war das absolut unverständlich.
Irgendwann wurde Frau M. schwer krank – die Diagnose lautete Krebs. Nach langem Kranknhausaufenthalt und Chemotherapie machte sie noch eine Wiedereingliedeungsmaßnahme, die dann aber auf Grund ihrer sich weiter verschlechternden Situation scheiterte. Kurze Zeit später – kaum nach ihrem 60. Geburtstag – starb Frau M. Ihre Rente hat sie nie in Anspruch genommen.

2.5.07 12:54, kommentieren

Lebe deinen Traum...

…und träume nicht dein Leben – irgendwann ist es für Träume zu spät, denn das Leben ist endlich. Auch das war mit ein Grund für die Entscheidung, meinen sicheren, aber wenig erfreulichen und erfüllenden Arbeitsplatz zu kündigen. Finanziell kann ich es mir nun erlauben und ist diese Chance nicht ein Fingerzeig Gottes? Soll ich für knapp 2.000 EUR brutto im Monat weiter Tag für Tag den größten Teil meines wachen Lebens dafür hergeben, um durch meine Arbeitsleitung Reiche noch reicher zu machen und einen guten Teil des Gehaltes plus meiner Kapitalerträge auch noch satt zu versteuern?
Nein. Ich will nie wieder in Vollzeit arbeiten,ich habe keine Lust mehr auf ein Leben, welches auf 52 Wochenenden und 22 Tage Urlaub reduziert ist – auch wenn es ganz ohne Erwerbseinkommen ein finanziell bescheidenes Leben wird.

2.5.07 12:53, kommentieren

Lottogewinn

Nein, ich habe nicht im Lotto gewonnen, werde ich auch sicher nie – weil ich nicht spiele. Nicht mehr. Vor ein paar Jahren habe ich mal mit einem Kollegen zusammen gespielt. Während mein Kollege jedes Mal zwischen 20 und 80 Mark gewann, hatte ich während eines halben Jahres Spielzeit vielleicht zweimal meinen Einsatz raus – die übrige Zeit habe ich also nur draufgezahlt.

Wenn Leute viel Geld im Lotto gewinnen, wollen sie sich die unterschiedlichsten Wünsche erfüllen. Viele kaufen sich ein großes Auto, ein Haus, reisen und geben rauschende Champagner-Parties für die vielen Freunde, die sie auf einmal haben. Andererseits wollen viele Leute trotz der neuen Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens „weiterarbeiten wie bisher“. Warum eigentlich? Sind ja nicht immer Traumjobs, in denen die frischgebackenen Lottomillionäre so arbeiten. Lieben sie den Job tatsächlich so sehr? Oder ist da eher die Angst vor einem selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Leben der Grund? Wenn sich das Leben mies anfühlt, kann man als Arbeitnehmer dafür den Arbeitgeber verantwortlich machen. Wenn man nicht arbeitet, hat man die Geschicke selbst in der Hand – für das eigene Glück und die Zufriedenheit ist man dann ganz allein verantwortlich.

2.5.07 12:53, kommentieren

Was nun?

Plötzlich ist sie da, die Aussicht auf Freiheit und Freizeit, die ich mir schon so lange wünsche. Doch was tun ohne Arbeit? Ich habe da keine Probleme, meine Freizeit auszufüllen, es gibt viele interessante und lohnende Beschäftigungen außerhalb des Erwerbslebens. Und vor allem freue ich mich auch darauf, die Natur und den Kreis des Jahres bewusst zu erleben und nicht nur Fragmente davon nach Feierabend und an den Wochenenden. Und trotzdem fühlt es sich ein bisschen komisch an, das enge Korsett abgestreift zu haben, welches mich immerhin über 25 Jahre umgeben hat. Eine Mischung aus Haltlosigkeit und freiem Fall. Aber nur ein bisschen ;-)

30.4.07 22:30, kommentieren

Erkenntnis

Mittlerweile habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich wohl einfach kein richtiger „Arbeitnehmer“ bin. Es liegt nicht mal an der Büroarbeit, auch wenn ich einen anderen Beruf hätte, mein Wunsch nach mehr Freiheit und Freizeit wird zunehmend größer. Mit einer Teilzeitbeschäftigung beispielsweise – auch im Büro - könnte ich mich ganz gut arrangieren und daher suche ich jetzt auch eine solche.
Für eine Umschulung ist der Zug mittlerweile ohnehin abgefahren, wer bildet schon eine Mittvierzigerin aus?
Neben der Suche nach einer Teilzeitarbeit denke ich über eine freiberufliche Tätigkeit im Teilzeitrahmen nach

30.4.07 22:29, kommentieren

Mein Werdegang

Schuld an meinem verkorksten Lebenslauf bin ich zum großen Teil selber. Ich habe mich in jungen Jahren treiben lassen, keine eigene Meinung gehabt und nur das getan, was Andere für richtig hielten. Ein bequemes Leben ohne Konflikte, die ich bis heute scheue .

Aus Desinteresse und Gleichgültigkeit endete meine Schulausbildung auf dem Gymnasium nur mit der Mittleren Reife. Durch elterliche Beziehungen bekam ich ohne größere Anstrengungen eine Lehrstelle in einem Büroberuf, ich ließ mich da einfach so hinschieben Ein zielgerichteter Weg in die Sackgasse; die ersten Tage in dieser Firma waren schrecklich, ich wollte aufhören. Auf Druck und Zureden meiner Eltern habe ich die Ausbildung durchgezogen, mich aber weder für die Ausbildung an sich noch eine Alternative engagiert.

Die folgenden Berufsjahre waren immer wieder von dem Wunsch durchzogen, dass die Arbeit Spaß macht. Mitunter war das sogar der Fall und der einzige Job, der mir wirklich Freude bereitete und den ich immerhin rund 8 Jahre ausgeübt habe, verlor ich auf Grund einer betrieblichen Insolvenz.

Ich habe mich nie umorientiert, obwohl ich drei Mal Anlauf genommen hatte. Immer wieder siegte zum Schluss die Angst, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Ferner wollte ich dann doch niemandem auf der Tasche liegen, obwohl meine Eltern mir finanzielle Unterstützung zusagten.

30.4.07 22:28, kommentieren