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Der Ausstieg

Ich habe es gewagt: Nach langjähriger, vornehmlich vollzeitlicher Berufstätigkeit habe ich den ungeliebten Job an den Nagel gehängt. Einfach gekündigt in einer Zeit, wo man doch froh sein sollte, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben.

Mein Weg führt in eine ungewisse Zukunft, denn eine neue Stelle habe ich nicht und zur Zeit nur ungefähre Vorstellungen von meinem weiteren Leben. Große finanzielle Sorgen muß ich mir zum Glück nicht machen, meine Einkünfte aus Kapitalerträgen reichen für einen bescheidenen Lebensunterhalt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

30.4.07 22:19, kommentieren

Warum?

Aktueller Anlass ist die Unzufriedenheit an meinem jetzigen Arbeitsplatz, den ich erst vor wenigen Monaten angetreten habe. Ich fand hier nicht nur ähnliche, sondern noch schlechtere Arbeitsbedingungen vor als die im vorherigen Betrieb, weswegen ich diesen auch verlassen hatte.
In einem konservativen Familienbetrieb gibt es wenig Geld für viel Arbeit. Überstunden gelten als selbstverständlich und werden auch nicht gesondert vergütet. Man tritt als Bittsteller auf, wenn man den vertraglich geregelten Urlaub beantragen möchte Es ist kein Spielraum für neue Ideen vorhanden, es wird alles so gemacht wie es immer war und wie der Chef es haben will. Flexibilität und Innovation sind Fremdwörter. Einen Betriebsrat gibt es nicht und wird es auch nie geben. Als Arbeitnehmer in solchen Betrieben ist man den Launen und der Willkür des Chefs auf Gedeih und Verderb ausgesetzt.
Und das alles möchte ich mir nicht mehr länger antun.

Hinzu kommt, dass ich im Berufsleben nur selten glücklich war. Neben den genannten Rahmenbedingungen an den jeweiligen Arbeitsplätzen störte mich mit fortschreitenden Jahren vor allem die Enge des Büros, das Eingesperrtsein auf wenige Quadratmeter, die Fremdbestimmung. Andere entschieden, was ich zu denken hatte.

Obendrein ließ mich meine derzeitige recht gute finanzielle Situation den Sinn der Tätigkeit immer mehr in Frage stellen – warum soll ich meine kostbare Lebenszeit weiterhin Dingen opfern, die mir selbige so schwer macht, wenn ich das nicht mehr zwingend brauche

Ich habe die Entscheidung getroffen. Und umgesetzt.

30.4.07 22:26, kommentieren

Mein Werdegang

Schuld an meinem verkorksten Lebenslauf bin ich zum großen Teil selber. Ich habe mich in jungen Jahren treiben lassen, keine eigene Meinung gehabt und nur das getan, was Andere für richtig hielten. Ein bequemes Leben ohne Konflikte, die ich bis heute scheue .

Aus Desinteresse und Gleichgültigkeit endete meine Schulausbildung auf dem Gymnasium nur mit der Mittleren Reife. Durch elterliche Beziehungen bekam ich ohne größere Anstrengungen eine Lehrstelle in einem Büroberuf, ich ließ mich da einfach so hinschieben Ein zielgerichteter Weg in die Sackgasse; die ersten Tage in dieser Firma waren schrecklich, ich wollte aufhören. Auf Druck und Zureden meiner Eltern habe ich die Ausbildung durchgezogen, mich aber weder für die Ausbildung an sich noch eine Alternative engagiert.

Die folgenden Berufsjahre waren immer wieder von dem Wunsch durchzogen, dass die Arbeit Spaß macht. Mitunter war das sogar der Fall und der einzige Job, der mir wirklich Freude bereitete und den ich immerhin rund 8 Jahre ausgeübt habe, verlor ich auf Grund einer betrieblichen Insolvenz.

Ich habe mich nie umorientiert, obwohl ich drei Mal Anlauf genommen hatte. Immer wieder siegte zum Schluss die Angst, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Ferner wollte ich dann doch niemandem auf der Tasche liegen, obwohl meine Eltern mir finanzielle Unterstützung zusagten.

30.4.07 22:28, kommentieren

Erkenntnis

Mittlerweile habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich wohl einfach kein richtiger „Arbeitnehmer“ bin. Es liegt nicht mal an der Büroarbeit, auch wenn ich einen anderen Beruf hätte, mein Wunsch nach mehr Freiheit und Freizeit wird zunehmend größer. Mit einer Teilzeitbeschäftigung beispielsweise – auch im Büro - könnte ich mich ganz gut arrangieren und daher suche ich jetzt auch eine solche.
Für eine Umschulung ist der Zug mittlerweile ohnehin abgefahren, wer bildet schon eine Mittvierzigerin aus?
Neben der Suche nach einer Teilzeitarbeit denke ich über eine freiberufliche Tätigkeit im Teilzeitrahmen nach

30.4.07 22:29, kommentieren

Was nun?

Plötzlich ist sie da, die Aussicht auf Freiheit und Freizeit, die ich mir schon so lange wünsche. Doch was tun ohne Arbeit? Ich habe da keine Probleme, meine Freizeit auszufüllen, es gibt viele interessante und lohnende Beschäftigungen außerhalb des Erwerbslebens. Und vor allem freue ich mich auch darauf, die Natur und den Kreis des Jahres bewusst zu erleben und nicht nur Fragmente davon nach Feierabend und an den Wochenenden. Und trotzdem fühlt es sich ein bisschen komisch an, das enge Korsett abgestreift zu haben, welches mich immerhin über 25 Jahre umgeben hat. Eine Mischung aus Haltlosigkeit und freiem Fall. Aber nur ein bisschen ;-)

30.4.07 22:30, kommentieren